

Die Augen schauten lustig und verspielt, überrascht, aber nie ängstlich. Ich vermisste Willi, das Warten vor der Tür, Begrüssung, typisches Verhalten beim Abwarten während ich die Dose öffnete und Futter servierte. Seine Unruhe bei Geruch von feiner Leberwurst, das besondere Leckerchen, seine Weisheit und Überlegenheit.
Das kleine Katzenbaby war überall in Wege, unruhig, neugierig, lustig und verspielt. Er kletterte überallhin, am liebstem dahin wo er nicht sollte: Bett, Zwiebelkorb, offener Kühlschrank, Stuhl, Tisch... Er aß zwar sein Futter, aber immer schielte er auf den "Menschenfrass" - *ggg*... So bekam er auch ein Stückchen Leberwurst. Es war ein ruhiger Abend, ich las das Buch das ich durch Willis plötzlichen Tod stehen ließ. Felix liess keine Ruhe, kratzte sich an meinen Beinen hoch, wollte unbedingt zu mir... so gab ich ihm ein Stückchen Leberwurst. In der Nacht wachte ich auf, es stank bestialisch. Felix sass neben mir, sah sehr erschrocken aus, er zitterte. Sein Fell, das Bett, ja sogar meine Haare waren voll. Felix hatte Durchfall bekommen.
Im ersten Augenblick wusste ich gar nicht wo ich anfangen soll, doch der erbärmliche Anblick von Felix erweichte mich so sehr, dass es gar keineFrage war. Felix war erster dran! Er liess das Baden und Fönen sehr ruhig und "schuldbewusst" über sich ergehen. Seine Bewunderung für den Schaum des Pfirsichschampoos hat er wohl unterdrückt.

Der Bann war gebrochen, am Morgen wachte ich auf neben einem nach Pfirsich duftenden Wollknäuel. Felix hat sich tief in mein Herz eingeschlichen, was sich von Tag zu Tag, Jahr zu Jahr vertieft hat.
Über die folgenden Jahren kamen wir uns immer näher: Felix war mir sehr nah. Ich verstand ihn sehr gut und er verstand mich auch, egal ob ich kroatisch oder deutsch sprach. Jedoch kroatisch benutzen wir eher zum schmusen, wenn wir gut gelaunt waren, z.B. wenn ich mich bei Felix entschuldigte wenn ich von eine Reise zurück kam und er schmollte und mich Stundenlang ignorierte. Spätestens aber im Nacken, am Kopfkissen waren wir wieder versöhnt!
Wenn ich am Tag vorher die Haare rot getönt hatte, war Felix' Gesicht tagelang rot und ohne mich gesehen zu haben wusste jeder das ich die haare gefärbt hatte. Felix hat nämlich regelmässig meine Haare geputzt. Es war mir immer ein Rätsel, wie er die Leute umwarb und um die Pfote wickelte, die die Dosen in meiner Abwesenheit öffneten, sobald ich aber wieder da war sie keines Blickes würdigte. Wie undankbar! Ja, auch so konnte mein Felix sein! Ich sprach mit ihm in einer sehr eigenartigen Weise! Nur diejenigen die Katzen haben, wissen die Reaktionen der Katze zu deuten. Ob das der Blick, die Bewegung, Gurren oder Miauen ist. Nur eine ganz leichte Bewegung der Ohren, Kopf, Schwanz oder der Pfote...
Alles das war die Sprache von meinem Felix, seiner Antworten oder Kommentare... auf mein halb deutsch, halb kroatisch. Sogar seinen Kosenamen /und er hatte viele/ waren in der Art: Shah von Persien, schicke Mieze, Beba-Mieza, Mizonja, Mazonja, Shatzi-Mieza, schönster, bester, liebster Mieza...und noch vieles mehr. Felix verstand, reagierte... Heute noch wenn ich "mich vergesse" und irgendein Name von Felix "rausrutscht", mitten im Satz verstumme ich und mein Herz blutet wieder. So weiss ich das die Wunde nie verheilen wird, Tränen laufen die nie austrocknen werden.
Alle Arztbesuche und das übliche beim Artzt habe ich mit ihm durchgemacht. Er liebte die Kinder und Tiere, alle Tiere, war lustig, verspielt und jeder der kam,ging mit Felix im Herzen. Als Felix ca. neun Monaten alt war holten wir Tommy zu uns. Ein schwarz-weisser Kater, den niemand haben wollte. Tommy war ein paar Monate jünger als Felix und Felix gab sich die grösste Mühe die Mutterrolle zu übernehmen. Tommy lehnte das meistens ab und griff Felix sogar an. Felix hatte die ganzen Jahre immer wieder versucht dem Tommy näher zu kommen. Manchmal habe ich sogar Tommy festgehalten damit Felix ihm abschlecken konnte. Einmal war Felix am späten Nachmittag besonderes ruhig, ging weder auf`s Klo noch essen. Liess sich nicht anfassen, atmete schwer keuchend hinter der Wohnzimmertür. Ich wollte ihn in den Korb setzen um zum TA zu fahren, dabei legte ich ihn kurz in meinem Schoß um ihn besser zu sehen. Tief am seinem Unterbauch steckte ein kleiner runde Kaktus. Vermutlich hatte er den vom Fenster geworfen und ist der rollenden Kaktuskugel hinterher gerannt. Als ich es entfernte zeigte sich Felix besonderes dankbar. Und das konnte er. Und wie! Dann kam die Kastration! Dabei war ich besonderes schlau, liess meine Mutter den Felix hinbringen. Ich kam dann gegen Abend als die Rettung und brachte ihn heim. Noch lange nach der Kastration blieb Felix lustig und verspielt. Kein Geschenk konnte verpackt werden ohne sein Beisein. Bunte Bänder waren schnell von Felix beschlagnahmt, auch Geschenkpapier war nicht vor ihm sicher. Aber am liebsten hatte er immer Zelophan von der Zigarettenschachtel, Bonbons oder gar Goldpapier von der Schockolade, auch die Plastikkugeln aus dem Überraschungsei. Süßigkeiten hatte er auch nicht verachtet. Das Zelophan zum Kügelchen geknäult und in die Luft geworfen war für den Felix die grösste Herausforderung, er konnte sehr hoch springen und es mit Vorderpfoten auffangen. Wie gesagt, kein Kühlschrank, keine Tür war ein Hindernis, aber den Platz am Tisch konnte man ihm nicht abgewöhnen. Am liebstem neben einer brennenden Kerze oder Blumen. Er thronte auf dem Tisch als wäre das der einziger Platz in der Wohnung, er beobachtete von dort, wenn Besuch kam und nach dem er die Taschen, Korb oder Jacke inspiziert hatte, ließ er sie nicht aus Augen.
Es schien als passte er auf!
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