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Mit der Zeit übernahm die Rolle des älteren Herren die Oberhand. Besucher benutzte er zum Beschnüffeln, Taschen und Jacken untersuchen, konnte sogar lieb sein um bei den Gästen ein Leckerchen zu erbetteln, streicheln liess er sich von den anderen nur noch im Notfall. Sobald wir aber alleine waren und ich nicht traurig war, rannte er durch die wohnung, spielte mit allem was ihm in die Pfoten kam. Tommy beneidete seine hohen Sprünge. Auch Tommy war verspielt aber eben anderes; ob das Eifersucht war, das Spüren von Zweitbesten...   Vor ca. einem jahr zogen wir nach Augsburg. Bald bemerkte ich, dass Felix nicht mehr der Alte war. Dabei bemühte er sich immer, es nicht merken zu lassen. Der Doktor verabreichte ihm Aufbauspritzen, auch Antibiotika. Oft habe ich daran gedacht das er sich verändert hat,und oft befürchtete ich, dass er den nächsten Sommer, die Sonne, im Gras ruhen, und so tun als ob er schläft, nicht mehr erleben wird. Ich hatte Angst! Weihnachten veränderte er sich zunehmend. Trotzdem beteiligte er sich an der weihnachtstafel. Er suchte ruhige Plätze in der Wohnung.Selten, nur noch sehr selten sass er am Tisch, zuletzt kam er nicht einmal mehr ins Bett. Meistens war er hinter der Tür, oder in der Küche, das Gesicht zu Wand. Erbrach sich, war apathisch,teilnahmelos, trank übermässig, ignorierte sogar den Staubsauger. Am 29.12. rief ich in der Klinik an. Wir bekamen ein Termin am nächsten Tag um 10°° h. Neujahr 2002! Trauer ohne Ende! Es war unser 10. gemeinsames Neujahr! Ohne Felix!


Am 2. Januar sollte ich Felix abholen. Ich sah ihn auf dem Tisch in seinem Korb. Felix war leicht agressiv, jedenfalls nicht teilnahmslos, es schien ihm überhaupt nicht zu gefallen  wie der angehende Arzt versuchte, die Infusion anzulegen. Der Korb ließ ihm auch nicht genügend Bewegungsfreiheit, Felix versuchte sich zu wehren, der Student zuckte zusammen, liess die Kanülle fallen, "halten Sie ihn richtig fest, schauen Sie was er schon getan hat", zeigte mir seine zerkratzen Unterarme, "Man kann ja auch die Lunge treffen"! Innerlich war ich froh; Felix wehrte sich, sein Fell sah wieder gut aus, "es wird, es wird" dachte ich. Die endlich angelegte Infusion lief para, als der junge Mann sich davon überzeugte konnten wir gehen, ohne neuen Versuch es zu erneuern. Mir war`s egal, ich hatte ja eine spritze damit ich Felix zur Not Wasser geben kann. Ich war froh zu gehen, meinen Felix mitzunehmen. Wie Machtlos man doch ist, wie ängstlich was zu sagen, zu widersprechen... wir alle kennen den Spruch - "es ist doch nur ein Tier". Nur bei den Rechnungen da geht es wohl um Gold - da ist es nicht nur ein Tier! Den ganzen Weg nach hause habe ich geredet, mich gefreut, wollte ihn Mut zusprechen, aber Felix antwortete nicht. Den Korb wollte er nicht mal zu Hause verlassen, es ging ihm zunehmend schlechter, er rang nach Luft, atmete schwer, seine Lunge rasselte. Ich konnte nur noch weinen. Ich kannte das in etwa, vor etwas mehr als neun jahren. Von Willi! Gegen 22°° h rief ich in der Klinik an. Der junge Mann der bei der Aufnahme da war, meldete sich. Er kannte uns und empfahl mir, Felix Wasser zu geben. Gott, wie sehr hat sich Felix gewehrt, und ich ahnte - es ist nicht gut - aber ich gab ihm drei volle Spritzen Wasser / a 2 ml /, da fing sein ersticken an. Ich nahm ihm hoch in der Hoffnung, dass er so besser Luft bekommt, seine Pfötchen um meine Schulter, zum ersten Mal mit Krallen, ich spürte es, liess es zu, sein Köpchen an meinem Gesicht, die Krallen liessen immer mehr nach, er lag in meinen Armen wie ein Baby, kein Atem mehr, Augen weit aufgerissen, Pupillen gross, die Zunge fiel raus -

er sah so klein aus, so erschrocken, geschockt - mein Felix war tot.





 
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